© Trüper Gondesen und Partner mbB TGP Landschaftsarchitekten BDLA / ELBBERG Kruse, Rathje, Springer, Eckebrecht Partnerschaft mbB / Visualisierung: Werk3
Im Oktober 2025 hat die Stadt Norden für das zentral gelegene und derzeit überwiegend brachliegende Doornkaat-Gelände einen kombinierten freiraumplanerischen und städtebaulichen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Mehr als 50 Büros und Arbeitsgemeinschaften aus verschiedenen EU-Ländern haben sich um die Wettbewerbsteilnahme beworben. Mit 3 gesetzten AGs und 7 weiteren, ausgelosten Teilnehmergemeinschaften, ist im Januar 2026 ein hochkarätiger Wettbewerb gestartet.
Am 26. Mai 2026 hat das Preisgericht getagt und unter den 8 Einreichungen die Platzierungen beraten. Es wurde ein 1. Platz und ein 3. Platz vergeben, sowie eine Anerkennung.
Ziel des Wettbewerbs war es, qualitätsvolle Planungsvorschläge für die Entwicklung eines neuen, identitätsstiftenden Stadtquartiers zu erhalten, die sowohl den historischen Bestand respektiert als auch zukunftsorientierte Nutzungsperspektiven bieten.
Das Wettbewerbsgebiet umfasst ein zusammenhängendes Gebäude- und Flächenkonvolut im
innerstädtischen Bereich der Stadt Norden, das sich über Teile von zwei benachbarten, förmlich festgelegten Sanierungsgebieten erstreckt. Das Areal war über viele Jahrzehnte primär industriell genutzt (u. a. bis 1997 durch die Doornkaat-Brennerei) und weist heute erhebliche städtebauliche Potenziale auf – zugleich ist es mit besonderen Herausforderungen im Hinblick auf Altbestand, Bodenbeschaffenheit, Denkmalschutz und Nachbarschaften verbunden.
Mit dem Wettbewerb sollte eine ganzheitliche und zukunftsfähige Entwicklungsperspektive für das Doornkaat-Gelände erarbeitet werden. Dabei standen insbesondere folgende Aspekte im Fokus:
Beide Teilbereiche – Freiraum und Städtebau – sollten integrativ betrachtet werden. Eine funktionale und gestalterische Verknüpfung war zentraler Bestandteil der Aufgabenstellung.
Die Transformation des Doornkaat-Geländes ist ein zentrales Schlüsselprojekt der Stadt Norden im Rahmen ihrer integrierten Stadtentwicklung. Mit dem Wettbewerb sollte eine planerische Grundlage geschaffen werden, die es erlaubt, die vorhandenen Potenziale des Standorts zu heben, neue Impulse für die Innenstadtentwicklung zu setzen und die stadträumliche Identität nachhaltig zu stärken.
Trüper Gondesen und Partner mbB TGP Landschaftsarchitekten BDLA, Lübeck
mit
ELBBERG Kruse, Rathje, Springer, Eckebrecht Partnerschaft mbB, Hamburg
Bruun & Möllers, Hamburg mit
KBNK ARCHITEKTEN GMBH, Hamburg
nsp schonhoff schadzek depenbrock landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB, Hannover mit
Cityförster architecture + urbanism, Hannover
Lichtenstein Landschaftsarchitektur, Hamburg mit
Behnisch Architekten Atelier Weimar GbR, Weimar
mesh landschaftsarchitekten Prominski I Nakamura I Prominski PartG mbB, Hannover mit
Anett Eberhardt-Vogel (Freie Architektin), Magdeburg
arc.lab Bergner Dinse Theis-Architektinnen Landschaftsarchitektin
Stadtplanerin PartG mbB, Hannover
OTTL.LA Landschaftsarchitekten Schöberl Hövelmann PartG, München mit
studiomauer Part GmbB, Hannover
BÖE studio, Zürich mit
BHSF Architekten und Stadtplaner, München
Prolog
Der Neue Weg ist das Rückgrat der Stadt Norden. Die Stadtachse verbindet mit dem Markt, dem Norder Tor bzw. Hafen und dem Doornkaat -Gelände die drei Kristallisationspunkte der Innenstadt.
Der Markt und die Stadtkirche Ludgeri bilden das historisch gewachsene Zentrum der Stadt, am Norder Tor lagen Hafen- und Verteidigungsanlagen, heute ist das Einkaufzentrum prägend. Inmitten der Stadt hat sich als jüngster Kristallisationspunkt die Schnapsbrennerei Doornkaat über 150 Jahre zu einem weitgestreckten Industriekomplex entwickelt. Von den Verwaltungsgebäuden in der Fußgängerzone, erstreckt sich das Doornkaat Areal bis zum Flusslauf Norder Tief. Diese Qualität des Areals, das Fußen in der Innenstadt und das Auslaufen in den Landschaftsraum bilden den Ausgangspunkt einer Neugestaltung.
Der Dreiklang Stadt_Park_Landschaft bedeutet Erhalt und Ergänzung des Gebäudebestands Doornkaat. Er bedeutet gleichzeitig die Öffnung des Areals in die Landschaft, mittels eines verbindenden Parks zwischen Stadt und Landschaftsraum, den Landschaftspark Doornkaat.
Städtebau
Die Neubauten am Neuen Weg markieren die ´Revitalisierung´ des Doornkaat-Geländes und lenken Nutzer und Besucher in das neue Stadtquartier. Die denkmalgeschützten Gebäude der Schnapsbrennerei werden saniert und durch einen Neubau für kulturelle Nutzungen und Gastronomie zurückhaltend ergänzt („der kleine Bruder“).
Die Struktur der Lohnen wird in den neuen Wohnquartieren aufgegriffen und macht das „Weiterbauen“ der Stadt Norden auf dem Doornkaat Gelände deutlich. Das engmaschige Wegenetz prägt die Kleinteiligkeit des Wohnungsbaus und sichert kurze und schlüssige Verbindungen in Richtung Polizei-Areal sowie zum geplanten Parkhaus. Der Wohnungsbau ergänzt die Industriebauten zu einem ganzheitlichen, stadträumlichen Ensemble gegenüber dem Landschaftspark. Giebelständigkeit und Materialität stellt den Bezug zu den historischen Industriegebäuden her. Gewerbliche und gastronomische Nutzungen in den Erdgeschossen sorgen für eine ganztägige Belebung des Quartiers sowie der Ränder des Parkes.
Straßen, Plätze und Lohnen im Doornkaat-Areal
Die industriellen, teils denkmalgeschützten Gebäude der Brennerei und die ergänzenden Neubauten stehen auf einer historisch bedingten Pflasterfläche aus rotbraunem Klinker. Der Entwurf greift den Klinker als Pflastermaterial auf und bildet von der Fußgängerzone Neuer Weg bis in den Landschaftspark einen einheitlichen Belagsteppich aus neuen rotbraunen Pflasterklinkern im Fischgrät-Verband aus. Der Belag ist gut begehbar, barrierefrei und kann über die verzahnte Verlegung die Fahrbewegungen der Anlieferung und Feuerrettung aufnehmen.
Zum Landschaftspark endet der Klinkerbelag in großzügigen Terrassen vor dem Korn- und Kohlespeicher sowie dem neuen Wohnungsbau im Norden. Kleine Landschaftsinseln mit Sitzbänken bieten Ausblick in den Park und leiten mit ihrer Fortführung in die Innenstadt zum neuen Weg. Sie sind erlebbares Gestaltmotiv der Verknüpfung von Stadt und Landschaft. Der Gastronomie und Veranstaltungen bieten die Terrassen ausreichend Platz. Für das Doornkaat Open Air steht im Anschluss an die Terrassen das gesamte vorgelagerte Rasenparterre als zentraler Multifunktionsplatz zur Verfügung.
Auf den Terrassen ist der Fahrweg für die Anlieferung des Kesselhauses als heutiges Nahwärme Heizwerk freigehalten. Die Anfahrt erfolgt über die Straße Im Horst, die Straße Glückauf und die Kleine Hinterlohe als Sonderfahrweg. Die Rückfahrt ist über ein asphaltiertes Sportband im Süden der Multifunktionsfläche und die Parkachse Glückauf gewährleistet.
Landschaftspark Doornkaat
Terrassen und Wiesenräume
Nach den Terrassen im Vorfeld der Industriebauten und des neuen Wohnbaus erstrecken sich die weitläufigen Wiesenflächen des Landschaftsparks Dornkaat bis zum Ufer des Norder Tiefs. Die großen Freiflächen sind Spiel- und Liegewiesen sowie Veranstaltungsraum für das jährliche Open-Air-Festival.
Gerahmt werden die obere und untere Wiesenfläche von einem Park-Loup. Begleitet von Staudenpartien, Sport- und Spielflächen führt der Park-Loup aus Wassergebundener Wegedecke an den Uferweg des Norder Tiefs und über die zukünftigen Parkteile zurück auf die Doornkaat-Terrassen. Heute sind die Stadtachse Glückauf und das Sportband im Süden Teil des Rundwegs durch den Park.
Das Sportband aus grünem Gussasphalt ist im Park der Anlaufpunkt für Tischtennis, Streetball, Basketball, Skating und Fitness. Gleichzeitig ist das Asphaltband Fahrweg für die Anlieferung des Heizkraftwerks.
Gegenüber im Süden des Parks sind baumbeschattet weitläufige Spielplätze angeordnet. Vis a Vis des Cafés am Kühlturm können sich die Spielplätze zu einem Anlaufpunkt für Familien entwickeln.
Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen
Frei in den Wiesenflächen liegen die Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen. Der Kühlturm als Kletterturm und Aussichtspunkt bildet den markanten Hochpunkt im Landschaftspark Doornkaat. Das benachbarte Pumpenhaus nimmt ein Café auf, das mit Außengastronomie und Liegen auf der Wiese insbesondere im Sommer beliebter Anlaufpunkt werden kann. Das Zollgebäude am Ufer des Norder Tiefs wird eine Freizeiteinrichtung für Wasserwanderer, Kanuverleih und einem öffentlichen WC sein.
Am Ufer des Norder Tiefs
Am Zollgebäude führen zwei barrierefreie Rampen zu einem Podest auf dem Norder Tief. Der Steg ist Ein- und Ausstieg für Wasserwanderer und mit einer langen Sitzbank auch Aufenthaltsort für Jedermann.
Mit der Ausgestaltung eines gespundeten und aufgefüllten Podests als Landgewinnung, können hier die Hydraulikbagger den Gewässerkörper zur Pflege erreichen.
Die weiteren Uferböschungen sollen naturnah ausgestaltet werden. Richtung neuem Brückenschlag unterhalb eines zweiten Spielplatzes sind einfache Sitzstufen unter den Bäumen mit Wasserblick vorgeschlagen.
Nördlich der neuen Brücke ist ein zweiter Abgang zur Gewässerpflege vorgesehen.
Stadtachse Glückauf
Aus dem Straßenverlauf Glückauf erstreckt sich über den neuen Verkehrskreisel Im Horst eine Parkachse bzw. neue Stadtachse, die das Norder Tief mit einem Brückenschlag quert und zum Norder Tor führt. Mit einer zukünftigen Verlagerung des Getränkehandels, kann zu der Stadtachse ein attraktives Wohnquartier entwickelt werden.
Architektur & Städtebau
Das DoornkaatAreal ist ein identitätsprägendes Stück Stadtgeschichte und zugleich eine zentrale Chance für Nordens Zukunft. Der Entwurf versteht das Quartier als Vermittler zwischen den Maßstäben einer kleinteiligen, lebendigen Innenstadt am Neuen Weg und den großformatigen Bestandsstrukturen entlang der Straße Im Horst. In diesem Spannungsfeld entsteht eine klare städtebauliche Figur, die das Areal wieder selbstverständlich in den Stadtkörper integriert.
Bewahren & Weiterbauen bildet dabei das konzeptionelle Rückgrat: Der Bestand am Neuen Weg wird nicht nur erhalten, sondern als aktive Stadtkante weitergedacht. Mit ergänzenden Nutzungen wie Praxen und Büroflächen entstehen alltagstaugliche Adressen, die Frequenz erzeugen und die Innenstadt nachhaltig stärken. Gleichzeitig wird das Quartier nach innen geöffnet: Als ein weiterer Impulsgeber ins Areal wird die „Kulturbrennerei Doka e. V.“ als kultureller Magnet, der in die Stadt ein kulturelles Angebot schafft und dem Quartiersinneren eine starke, präsente Mitte gibt, eingebettet.
Im Inneren des Areals sichern dauerhafte, mischnutzungsfähige Bausteine „Hotellerie“ und „Stadtverwaltung“ die langfristige Belebung des Ensembles Brennerei / Maischhaus / Getreidesilo / Lager.
Der Entwurf setzt auf robuste Typologien, die Wandel zulassen und zugleich das industrielle Erbe sichtbar halten. Ergänzende Neubauten werden bewusst freiraumorientiert platziert: Sie rahmen Plätze, definieren Kanten, erzeugen Adressen und schaffen geschützte Höfe. So wird das Quartier nicht „bebaut“, sondern räumlich komponiert.
Die neuen Wohnbauten greifen mit Satteldächern die örtliche Baulogik Nordens auf und übersetzen sie in zeitgemäße Laubengang-Typologien. Auch das Parkhaus wird in die städtebauliche Ordnung eingebunden, indem es in Flucht gestellt und durch ein Satteldach in der Maßstäblichkeit beruhigt wird. Im Erdgeschoss des Parkhauses findet sich in Flucht zur Doornkaatstraße ein Mobility-Hub, dieser erweitert das Mobilitätsangebot in der Stadt und für die angrenzenden Anwohner- und NutzerInnen.
In Summe entsteht ein poröses Quartier: Durchlässige Wegeverbindungen, adressbildende Eingänge und robuste Freiraumkanten schaffen Lesbarkeit, Sicherheit und alltägliche Nähe. Der Entwurf setzt auf eine klare Stadtfigur, die das historische DoornkaatErbe stärkt und daraus einen neuen, offenen Stadtraum formuliert, der Begegnung ermöglicht und Norden nachhaltig erweitert.
Landschaft
Freiräumlich gliedert sich das Doornkaat-Areal in drei Zonen, die gemeinsam die architektonische Ortsidentität unterstützen und atmosphärisch sowie funktionell stärken.
Im Areal der Doornkaat Brennerei steht die Identität im Vordergrund. Dies findet u.a. durch die Wiederverwendung des dunklen Bestandsklinkers statt. Im Fischgrätverband verlegt, rückt er den Ortscharakter in den Fokus, wird befahrbar und barrierefrei, stärkt die gestalterische Kontinuität und setzt das Brennerei-Areal zugleich optisch prägnant ab. Ergänzende Maßnahmen wie ein begrünter Besucherparkplatz, ein Künstlergarten für Kreativschaffende sowie eine Intarsie mit Flächen für z.B. Außengastronomie setzen gezielte Akzente und bereichern das Nutzungsspektrum. Durch gezielte Baumpflanzungen wird das Ensemble aufgelockert und in seiner Wirkung elegant unterstützt.
Im freiräumlichen Zentrum des Quartiers befindet sich das Doornkaat-Quarree. Klare Formen und präzise Raumkanten strukturieren diesen Bereich und verleihen ihm eine starke räumliche Fassung. Ein besonderes gestalterisches Highlight bildet das Baumdach aus Gleditsien, das die Mitte markiert und zugleich als schattenspendender Aufenthaltsort an heißen Sommertagen dient. Auf dem Vorplatz der Brennerei sorgt ein Wasserspiel für Abkühlung und Belebung, wobei die Fläche gleichzeitig flexibel als Veranstaltungsort und Bühne genutzt werden kann. Sitzstufen rahmen den grünen Treffpunkt ein. Auf der Rasenfläche mit neugepflanzten klimaresilienten Laubbäumen können sowohl aktive Nutzungen als auch ruhiges Verweilen stattfinden. Von hier aus eröffnet sich ein weiter Blick über das Geschehen im Quartier, mit dem markanten Brennerei-Trio als atmosphärischer Blickfang.
In Richtung Norder Tief schließt der Uferpark das Freiraumgefüge nach Nord-Westen ab. Eine Retentionsachse, die als zentrales Element der Entwässerung fungiert und gleichzeitig gestalterisch über standortgerechte Wildstauden und Gräser einen naturnahen Akzent setzt, fingiert als Filter und Gliederung. Die großzügige Liegewiese bietet einen ruhigen Rückzugsort im Grünen, während Sitzstufen eine direkte Verbindung zum Wasser herstellen und den Aufenthalt am Ufer ermöglichen.
Besondere Identitätsträger bilden im Uferpark die drei Follies Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen: Als bespielbare Industriemonumente werden sie in die Parklogik integriert und als markante Adressen am Norder Tief für Freizeit und Kulturangebote aktiviert. Damit erhält der Fluss eine neue Präsenz im Quartier und das industrielle Erbe wird als Teil des Alltags erlebbar. Ergänzend dazu entstehen vielfältige Aktivitätsangebote im Freiraum, darunter ein Café, der Bootssteg sowie Sportmöglichkeiten wie eine Kletterwand, ein Spielfeld, das zum Scaten oder Ballspiel einlädt, sowie ein Pumptrack. Diese Elemente laden zur Mitgestaltung ein, fördern kulturelle und soziale Teilhabe sowie den Austausch zwischen den Nutzungsgruppen.
Bewegungsachsen & Verkehr
Klare Wegeachsen durchziehen das Gebiet und führen von der Altstadt über die Quartiersmitte bis hin zum Ufer des Norder Tiefs. Der Freiraum ist dabei primär auf die Bedürfnisse von Fußgänger:innen ausgerichtet, während der Radverkehr eine untergeordnete, aber integrierte Rolle einnimmt. Der motorisierte Individualverkehr wird bewusst auf ein Minimum reduziert und beschränkt sich im Wesentlichen auf Anliegende, Besuchende sowie notwendige Lieferverkehre, etwa für das Heizkraftwerk.
Als prägendes Material für Wege und Plätze kommt roter Klinker im Fischgrätverband zum Einsatz, der den Ortscharakter stärkt und die architektonische Sprache des Quartiers konsequent unterstützt.
Ein zentrales Element ist die neue, durchlässige Wegeverbindung Doornkaatstraße. Sie verknüpft Bestandsnutzungen und Neubauten, schafft Adressen und führt in eine prägnante Quartiersmitte, ein räumliches Gelenk zwischen Bebauung und Freiraum, sowie als klare Leitung der Besucher die aus dem Parkhaus in die Fußgängerzone Neuer Weg wollen.
Ergänzend dazu ermöglicht eine neue Wegeverbindung entlang des Ufers, das Norder Tief unmittelbar erlebbar zu machen und gleichzeitig die Straße Im Horst mit der Quartiersmitte zu verknüpfen. Die neue Brücke verbindet den Uferpark mit den im Süd-Westen angrenzenden Quartieren.
Nachhaltigkeit und Resilienz
Durch Städtebau und Architektur als auch Mobiliät und Freiraum soll ein resilientes und nachhaltiges Quartier entstehen. Alle drei Bereiche des Quartiers bieten Räume und Nutzungen für Menschen unterschiedlichster Interessen und Altersgruppen. Diese bewusst geplante soziale Mischung fördert das Miteinander und stellt eine Lebendigkeit zu allen Tages- und Jahreszeiten sicher.
Durch die neuen Freianlagen wird darüber hinaus der ökologische Wert des Quartiers extrem gesteigert. Entsiegelung und eine intensive Begrünung sorgen für Lebensräume und Artenreichtum.
Das Regenwasser wird im Quartier gehalten und nur gedrosselt in das Norder Tief abgeleitet. Somit entsteht eine Freianlagen im Sinne der Schwammstadt die mit einfachen Mitteln Regenwasser zur Verdunstung, Kühlung und zur Pflanzenverfügbarkeit zurückhält. Dabei spielt die Retentionsachse die zentrale Rolle. Das Regenwasser wird über Quellschächte eingeleitet. Als Mulde mit angeschlossener Rigole können hier bereits die Regenmengen bis zum 5-jährigen Regenereignis abgepuffert werden. Die Reinigung erfolgt über die belebte Bodenzone, die Drosselung durch die angeschlossene Rigole.
Bei darüber hinausgehenden Starkregenereignissen sind an diese Retentionsachse weitere Flächen, einerseits auf dem Polizeigrundstück als auch das große Rasenquarree, angeschlossen. Diese können weitere Niederschlagsvolumina aufnehmen und zwischenspeichern. Mit der gedrosselten Entleerung der Rigole fließt das Wasser dann zurück in die Retentionsachse und wird hier gereinigt und gedrosselt eingeleitet.
Die vorgeschlagenen Interventionen vermitteln zwischen den historisch gewachsenen Strukturen und einem zukunftsweisenden Städtebaukonzept. Das Doornkaat-Areal entwickelt sich zu einem produktiven Stadtquartier mit hohem Wohnanteil, das seine industrielle Vergangenheit nicht bewahrt, sondern weiterdenkt. Aus dem Bestand entsteht ein differenziertes Gefüge aus robusten Strukturen, neuen Bausteinen und einem verbindenden Freiraumsystem. Die vorhandene Identität bleibt ablesbar und wird durch neue Nutzungen, Öffentlichkeiten und Rückzugsräume ergänzt sowie räumlich neu geordnet.
Der Freiraum übernimmt dabei die zentrale strukturierende Funktion. Unter dem Titel „Doornkaat Boogie Woogie“ entsteht – in Anlehnung an das gleichnamige Kunstwerk – ein engmaschiges Netz aus Gassen, Plätzen, Höfen und grünen Verbindungen. Dieses System organisiert das Quartier, schafft Orientierung und verknüpft die unterschiedlichen Nutzungen miteinander. Bestehende Qualitäten werden aufgenommen und weiterentwickelt, neue Räume setzen gezielte Akzente und prägen die Identität des Ortes.
Städtebauliches Konzept: Ein lebendiges Miteinander
Die Ausrichtung und Form der Neubauten reagieren auf die Linearität und Maßstäblichkeit des ehemaligen Industrieareals, wodurch ein selbstverständlicher Verbund aus Vorhandenem und Neuem entsteht. Durch diese räumliche Gliederung werden die öffentlichen, halböffentlichen und privaten Flächen klar voneinander differenziert ohne physische Barrieren zu erzeugen. Das Quartier ist als gemischt genutzter Stadtraum angelegt. Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit stehen in enger Nachbarschaft und erzeugen ein lebendiges Umfeld. Insbesondere die industriellen Bestandsgebäude und der neue Schotten-Park fungieren als identitätsstiftende Ankerpunkte für öffentliche und gemeinschaftliche Nutzungen. Ökologische und klimatische Anpassungen sind integraler Bestandteil des Konzepts. Versickerungsfähige Beläge, differenzierte Vegetationsstrukturen sowie ein sensibler Umgang mit Wasser und Mikroklima setzen ein starkes Zeichen für einen klimaresilienten Stadtumbau.
Die städtebauliche Struktur entwickelt sich aus der westlich angrenzenden Innenstadt. Deren kleinteilige Parzellierung wird aufgenommen, weitergeführt und in eine zeitgemäße Form überführt. Die Bebauung folgt einem klaren Schottenprinzip: Parallel angeordnete Bauzeilen mit Satteldach strukturieren sowohl die Gebäude als auch die Wegeführung. Es entsteht ein fein gegliedertes, durchlässiges Quartier mit klar lesbaren Raumfolgen.
Wohnen und Nachbarschaft
Innerhalb dieser Struktur entsteht ein überwiegend wohngeprägtes Quartier. Die zweigeschossigen Reihenhäuser mit Dachgeschoss sind in schmale Gassen eingebettet, die als ruhige, nachbarschaftliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität ausgebildet sind.
Die Kopfbauten der Zeilen übernehmen eine besondere Rolle: Sie markieren Übergänge, stärken die Raumkanten und bilden eigenständige Adressen. Nutzungen wie Kiosk, Café, Quartiersladen oder Atelierwohnen beleben diese Orte und fördern soziale Interaktion. Ergänzend zu den Reihenhäusern (49 WE) erweitern vielfältige Wohnformen (56 WE) das Angebot – von Mikro-Wohnen über Wohngemeinschaften und Cluster-Wohnen bis hin zu altersgerechten Wohnkonzepten. Gemeinschaftlich genutzte Freiräume fördern Austausch und Alltagspraxis. Das Quartier unterstützt so aktiv die Entwicklung einer lebendigen Nachbarschaft. Innerhalb der Wohncluster entstehen geschützte Terrassengärten, die ein angenehmes Maß an Privatsphäre schaffen. die offen gegliederten Hecken- und Wegestrukturen innerhalb der Cluster lassen Streif- und Spielräume für Kinder entstehen und fördern den nachbarschaftlichen Austausch. Zwischen den Wohnclustern bilden die markanten Nachbarschaftsgassen einen durchlässigen und zugleich in sich gekehrten Ort, der sich sowohl an Besucher als auch an Bewohner adressiert. Die bewusst zurückhaltende Gestaltung soll Gelegenheit zur freien Aneignung und Bespielung bieten, die Klönschnack-Bänke und die Malkreise schaffen zusammen mit den städtebaulichen Fugen einen kleinteiligen und verspielten Charakter und lassen ein „urbanes Wohnzimmer“ entstehen.
Produktive Quartiersplätze
Am westlichen Antritt zur Fußgängerzone Neuer Weg vermittelt ein neuer urbaner Quartiersplatz zwischen Bestand und Neubau und schafft eine identitätsstiftende sowie einladende Geste. Die großzügige Platzfläche mit Wasserspiel bildet ein markantes Entree für das bestehende Hotel, setzt einen urbanen Akzent und bietet ausreichend Raum für stadtspezifische Außenraumnutzung wie Außengastronomie und diverse Veranstaltungen.
In Richtung Süden entsteht ein fließender Übergang zum Grünen Hof, der sich wie selbstverständlich dem neuen Gewerbe- und Mikrowohnkomplex zuordnet.
Vom Entree aus führt die lineare Wege- und Vegetationsstruktur in das „Herz“ des neuen Quartiers, dem „Platz im Platz“. Dieser besondere Ort fungiert als gemeinsamer Ankunfts- und Aufenthaltsraum und verbindet Alt und Neu räumlich wie funktional. Als urbanes Zentrum bündelt er vielfältige Nutzungen: Werkstätten, Veranstaltungsräume, Mensa und Verwaltung treffen hier auf die Angebote des Wohnquartiers und schaffen ein offenes, aktives Umfeld, welches durch die verspielte Formsprache untermalt wird.
Die organischen Intarsien aus wassergebundener Wegedecke und Vegetationsflächen laden zur Aneignung ein; Der Raum fungiert als Pausentreff, Ausstellungsraum oder Freiluftbüro. Für die Mensa und das angrenzende Café wird reichlich Raum für Außengastronomie geboten.
Mobilität: Autoarm und vernetzt
Das Quartier setzt konsequent auf Fuß- und Radverkehr. Ein feinmaschiges Wegenetz erschließt das Gebiet aus allen Richtungen. Die Verlagerung der Bestandsbrücke stärkt die Anbindung und eröffnet Entwicklungspotenziale im Umfeld.
Fahrradstellplätze, Sharing-Angebote und eine Quartierswerkstatt unterstützen nachhaltige Mobilität. Der motorisierte Verkehr wird am Rand in einer Quartiersgarage gebündelt, wodurch die Wohnbereiche weitgehend autofrei bleiben. Die PKW-Fahrspur Doornkaatstraße bleibt im Bereich des Entrees erhalten und leitet den MIV in die Große Hinterlohne. Ergänzende Funktionen wie Paketstation, Serviceangebote und Werkstätten sind dort integriert. Anlieferungen erfolgen gezielt von Norden, während Feuerwehr und Entsorgung das Quartier von Osten und Westen erreichen können.
Energiekonzept
Die Quartiersgarage übernimmt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Als technische Drehscheibe bündelt sie Infrastrukturen für ein regenerativ gespeistes Nahwärmenetz. Photovoltaik auf Dachflächen sowie Speichersysteme ermöglichen eine hohe Eigenversorgung und flexible Steuerung. Kompakte Bauweisen und effiziente Gebäudetypologien reduzieren zusätzlich den Energiebedarf. Die gebündelte Infrastruktur bleibt langfristig anpassungsfähig und bildet die Grundlage für eine nachhaltige Quartiersentwicklung.
Schotten-Park
Der Schotten-Park bildet mit seinem reichhaltigen Freiraumangebot und der hohen Aufenthaltsqualität ein neues, grünes Herz für das künftige Quartier und darüber hinaus.
Als konzeptioneller Vorschlag entsteht ein neuer Brückenschlag, der die städtebaulichen Fluchten aufnimmt und somit eine prägnante, quartiersübergreifende Verbindung herstellt.
Das „Aktivitätsband“ flankiert diese Verbindung und führt die Menschen wie selbstverständlich in den Park hinein und fasst dabei die vielfältigen Angebote zu einer räumlich wahrnehmbaren und identitätsstiftenden Einheit zusammen. Die bestehenden Baukörper werden dabei mit neuen Nutzungen bespielt auf die der Parkraum in enger Korrespondenz reagiert: Am Bootsverleih entsteht durch Rasenstufen und die Steganlage ein einmaliger Bezug zum Wasser, am neuen Kultur- und Jugendtreff öffnet sich eine großzügige Veranstaltungsbühne mit Ausrichtung in den Park, sowie ein breit gefächertes Spiel- und Sportangebot. Die weiträumige Wiesenfläche, die Haingruppen und die sanft modellierte Topografie bieten Raum für Kontemplation, Rückzug und Ruhe. Das Aktivitätsband erlaubt in puncto Dimensionierung und Robustheit ebenfalls die Zuwegung für Wartungsfahrzeuge bis an die Wasserkante.
Das Konzept der „Schwammstadt“ wird zum Regenwassermanagement und gleichzeitig zur Trockenheitsvorsorge der Pflanzflächen genutzt. Unter diesem Aspekt orientiert sich der lokale Wasserhaushalt an den natürlichen Kreislaufsysteme: Die zahlreichen Vegetationsflächen im Quartier erlauben einen temporären Einstau und somit eine zeitverzögerte Versickerung und Verdunstung. Ein System von unterirdischen Verrohrungen und Überläufen führt überschüssiges Wasser zu einer zentralen Rigole im Süden des Quartiers mit weiterer Überleitung in die „Regentreppe“ und anschließender Ableitung in das Norder Tief. In der Regentreppe bilden sich wechselfeuchte Biotope mit einem positiven Mehrwert für Mikroklima und Biodiversität. Das Aktivitätsband und Große Teile des Platz- und Wegenetzes, sowie die PKW- und Fahrradstellplatzanlagen werden aus versickerungsfähigen Materialien hergestellt. Die Gehölzneupflanzungen erfolgen mit klimaresilienten Zukunftsbäumen wie z. B. Alnus x spaethii, Gleditsia triacanthos, Liquidambar styraciflua und Koelreuteria paniculata.
Entlang der fassadenbegleitenden Grünflächen werden durch unterschiedliche Stauden-, Gräser- und Wiesen-Kräuteransaaten thematische Schwerpunkte gesetzt und räumliche Atmosphären gestärkt: Entlang der Hauptwegeverbindungen sorgt eine Initialpflanzung von heimischen, mehrjährigen und standortangepassten Stauden für eine ortstypische Farb- und Blütenpracht, die angrenzenden Grünflächen werden zu artenreichen Schmetterlings- und Bienenwiesen qualifiziert. Durch den Verzicht auf Dünger und die Reduzierung der Mahd lassen sich Pflegekosten und -aufwand minimieren und die Diversität steigern.
Insgesamt bilden die vorgeschlagenen städtebaulichen und freiraumplanerischen Interventionen ein modernes, urbanes Freiraumsystem, das durch seine hohe Qualität und verbindende Funktion auch zur Aufwertung der angrenzenden Stadträume beiträgt. Es entstehen besondere Orte, die mit eigenständiger Identität und neuen Qualitäten für die Bewohner und Besucher ein lebendiges Quartier als neuen Stadtbaustein bilden, der sich selbstbewusst in das Stadtbild von Nordens Innenstadt einfügt.
Die Transformation des Doornkaat-Geländes: Drei Räume zwischen Fußgängerzone und Landschaft
Die Neugestaltung des ehemaligen Doornkaat-Geländes knüpft an die historische Logik der Norder Innenstadt an und entwickelt sie konsequent weiter. Im Mittelpunkt steht die denkmalgeschützte Bausubstanz – Brennerei/Maischhaus, Lager Brake und Getreidesilo – als identitätsstiftende Kerne des neuen Quartiers. Wo einst Kornbrennerei und Handel die städtische Identität prägten, entsteht heute ein lebendiges Quartier, das urbanes Leben mit Natur verbindet – ein Ort für Bewohner und Besucher, für Alltag und Fest, für Gegenwart und Zukunft.
Der Entwurf liest die Stadt und antwortet mit drei klar definierten Räumen: Die Doornkaat-Promenade führt von der Fußgängerzone zu den historischen Produktionsbauten, das Doornkaat-Forum öffnet sich als grüne Mitte für Veranstaltungen und Begegnung, der Doornkaat-Park begleitet das Norder Tief als naturnaher Landschaftsraum. Drei Atmosphären, eine Geste: vom Urbanen ins Grüne, von der Stadt in die Landschaft.
DIE HOFSTRUKTUR ALS LEITGEDANKE
Die Fußgängerzone Norden lebt von ihrer historischen Hofstruktur: Schmale Gebäude stehen im rechten Winkel zur Hauptachse, bilden Verengungen und platzartige Weitungen, schaffen Spannung durch Rhythmus. Diese Logik wird fortgesetzt. Die Doornkaat-Promenade nimmt die vorhandene Straßenführung auf und entwickelt sie zu einer sequenzierten Raumfolge – von der intimen Gasse über den hellen Hof bis zur großzügigen Platzfläche vor den Doornkaat-Bauten. Die historischen Lohnen werden als charakteristisches Wegesystem erhalten, hochwertig neu befestigt und barrierefrei erschlossen.
Die Neubauten verstärken diesen Duktus: Gebäudekanten definieren Räume, Durchblicke erzeugen Tiefe, Fassaden rahmen Blickbeziehungen. Das zentrale grüne Dornkaat-Forum – wird zum Verteiler des Quartiers – er erschließt Wohnen, Gastronomie, Büros und Gewerbe, er verbindet Alt und Neu, er lädt zum Verweilen ein. Bis zum baumüberstandenen Wendehammer am westlichen Quartierseingang zieht sich diese hofbildende Struktur.
STADTKANTE UND LANDSCHAFTSZUG
Der Entwurf schafft einen Dialog zwischen der Stadt im Westen und der Landschaft im Osten. Die Gebäude entlang der Straße „Im Horst“ – Polizeikommissariat, Edeka, Parkhaus – bilden eine durchgehende Kante zur Umfahrungsstraße. Diese Stadtkante ist keine Barriere, sondern Rückgrat: Sie fasst das Quartier, schützt vor Lärm, definiert Raum. Von ihr aus gliedern sich die Erschließungsstraßen rechtwinklig in das Gebiet – von der Fußgängerzone über die Doornkaatstraße, durch das Wohnquartier, vorbei am Forum bis zum Kreisverkehr.
Parallel dazu öffnet sich im Osten der grüne Landschaftszug: Er beginnt am Moor, führt über die Pferdewiesen zum Norder Tief und zieht sich bis in die Fußgängerzone hinein. Diese Nord-Süd-Achse ist mehr als Grünraum – sie ist ökologischer Korridor, klimatischer Ausgleichsraum, Naherholungsgebiet. Die Pferdewiesen werden nicht als Störung begriffen, sondern als Teil dieser grünen Ader, die Stadt und Umland verbindet.
DREI RÄUME – EIN GRADIENT
Der Entwurf organisiert sich als Verdichtungsgradient von West nach Ost:
1. DOORNKAAT-PROMENADE – Der urbane Auftakt
Von der Fußgängerzone führt die Promenade zu den historischen Doornkaat-Bauten. Hier dominiert die Stadt: feste Oberflächen, klare Kanten, lebendige Erdgeschosszonen. Die Neubauten rahmen den Raum, schaffen Einblicke in die Höfe, erzeugen urbane Dichte. Material und Maßstab orientieren sich an der historischen Bebauung – zeitgenössisch interpretiert, aber im Dialog mit dem Bestand.
2. DOORNKAAT-FORUM – Die grüne Mitte
Das Forum ist Herz und Scharnier des Quartiers. Eine großzügige, befestigte Rasenfläche bietet Raum für temporäre Nutzungen: Wochenmarkt, Kirmes, Kulturveranstaltungen, Winterfreuden. Eine integrierte Bühne ermöglicht kleinere Kulturformate. Thematisch hergeleitete Spielangebote ergänzen das Angebot. Die Fläche ist multifunktional gedacht – robust genug für Aufbauten, durchlässig für Versickerung, grün für die Atmosphäre. Einzelbäume gliedern den Raum, schaffen Schatten, markieren Bereiche. Hier treffen sich Stadt und Landschaft, hier verdichtet sich das Quartier zum öffentlichen Raum.
3. DOORNKAAT-PARK – Die Uferpromenade
Am Norder Tief wird die Stadt zur Landschaft. Der Park ist modelliert, naturnah, weich. Rasenflächen, Wiesenbereiche, Baum- und Gebüschstrukturen schaffen ein abwechslungsreiches Relief. Die Topografie spielt mit den vorhandenen Höhen, öffnet Blicke zum Wasser, schafft intime Nischen. Das Ufer wird Teil der Inszenierung: zugänglich, bespielbar, erlebbar. Sitzstufen ermöglichen den direkten Wasserkontakt, eine neue Brücke verbindet die Ufer für Fuß- und Radverkehr. Eine Paddel- und Pedalstation, ein Kletterturm sowie Skate- und Streetballangebote etablieren den Park als vielseitigen Freizeitort für alle Altersgruppen.
WASSER ALS GESTALTUNGSELEMENT
Regenwasser wird nicht abgeleitet, sondern inszeniert. Im Bereich des Forums entstehen Retentionsflächen, die im Normalfall als Spiel- und Aufenthaltsflächen dienen, bei Starkregen aber temporär Wasser aufnehmen. Das erforderliche Retentionsvolumen von rd. 2.100 m³ wird in das Freiraumkonzept integriert.
Entlang der neuen Erschließungsstraße wird das Regenwasser gesammelt und gedrosselt in das Norder Tief geleitet. Die Entwässerungsrinnen werden als gestalterische Elemente sichtbar gemacht – als feine Linien im Pflaster, als Teil der Oberflächengestaltung.
MOBILITÄT UND ERSCHLIESSUNG
Die neue Kreisverkehrsanlage im Norden bildet den Hauptzugang zum Quartier. Sie erschließt Polizei, Edeka, Parkhaus und die zentrale Mitte. Von hier aus verteilt sich der Verkehr – behutsam, geordnet, untergeordnet. Die Doornkaat-Promenade bleibt autofrei, nur Anlieferung und Rettungsverkehr sind zugelassen. Die Verbindung Glückauf – Kleine Hinterlohne dient der Umfahrung für Sonderverkehre (Holzhackschnitzel-Anlieferung, Kleinbus-Linienverkehr) und als Zufahrt zum Parkhaus. Die 150 Fahrradabstellplätze sind bedarfsgerecht im Quartier verteilt. Der ruhende Verkehr wird im Parkhaus gebündelt.
ARCHITEKTUR
Ziel des architektonischen Konzeptes ist die Entwicklung zukunftsfähiger Räume mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit und Flexibilität. So werden die bestehenden Gebäude auf ihre räumlichen und bautechnischen Qualitäten hin untersucht und entweder umgenutzt oder – wenn dies nicht möglich ist – im Sinne der Kreislaufwirtschaft wiederverwendet.
Das bestehende Verwaltungsgebäude am Neuen Weg wird in Zukunft als Arzthaus genutzt und belebt mit seiner großzügigen Straßenfront die Fußgängerzone. Der Anbau an der Dornkaatstraße akzentuiert mit seinem neuen, markanten Dachaufbau den Eingang zur Dornkaat-Promenade vom Neuen Weg. Hier wird auch der zusätzliche Rettungsweg für das Bestandsgebäude verortet. Die Dornkaat-Promenade wird durch neue und bestehende Gebäude geformt, die Wohn-, Gewerbe- und Beherbergungsfunktionen aufnehmen.
Südlich des Verwaltungsgebäudes wird eine neue Lohne ausgebildet, die einen weiteren interessanten Zugang zum Dornkaat-Gelände schafft. Die bestehende dichte städtebauliche Struktur wird durch die sensible Rücknahme und Umwandlung einzelner Bauteile aufgelockert. So entsteht ein innerer, überdachter Platzraum für die angrenzenden Nutzungen. Ein Highlight bilden hier sicherlich die charakteristischen Bestandsbauten, die in ein Hotel mit Gastronomie und Räume für die Stadtverwaltung umgewandelt werden.
Am Dornkaat-Forum entstehen neue, qualitätsvolle Wohnungen mit Südausrichtung und Blick in den Park. Die Wohnungen sind in Anlehnung an das bekannte Prinzip der Einliegerwohnung konzipiert. Im Erdgeschoss entstehen ebenerdige, barrierefreie Einheiten mit individuellem Zugang. Diese können sowohl als Wohnraum als auch als Atelier oder kleine Bürofläche genutzt werden. Die darüberliegenden Wohnungen erhalten ebenfalls individuelle Adressen zum Stadtraum. Dies schafft eine hohe Identifikation sowie die Möglichkeit für Vermieter, die Wohnungen flexibel zu unterschiedlich großen Wohneinheiten – von der Single-Wohnung über eine Wohnung mit Atelier/Büro bis hin zu einer großen Familienwohnung – zusammenzuschalten. Die Ecke zur Dornkaat-Promenade wird durch eine Gewerbeeinheit belebt. Die neuen Gebäude fügen sich durch ihre Materialisierung, die auch die Verwendung von Re-Use-Ziegeln vorsieht, harmonisch in die Umgebung ein und vermitteln mit ihrer differenzierten Dachlandschaft zwischen den unterschiedlichen Maßstäben der Nachbarbebauung.
Auf der Nordseite entsteht, vom Park abgewandt, das Parkhaus. Dieses kann unmittelbar über die neue Zufahrtsstraße erschlossen werden. Es ist so konzipiert, dass es in Zukunft auch in ein Wohn- oder Gewerbegebäude umgewandelt werden kann. Die geneigte Dachform, die mit Photovoltaik belegt wird, gliedert das Parkhaus städtebaulich ein. Durch die begrünte Fassade und die umgebende Bepflanzung entsteht eine natürliche Pufferzone zur benachbarten Bebauung. Der Neubau der Polizei orientiert sich mit seiner hölzernen Fassade zum zukünftigen Park. Die innere Struktur mit einem zentralen Hof schafft gut belichtete Büroräume und erleichtert die Orientierung im Gebäude. Durch diese Gliederung entsteht ein kompakter Baukörper, der zum einen der Maßstäblichkeit der Gebäude „Am Horst“ entspricht und zum anderen mit seiner Dachlandschaft auf die Struktur der Innenstadt reagiert.
Ein Highlight bilden die Monumente der Dornkaat-Produktion, welche in öffentliche Nutzungen erhalten. So wird das Pumpenhaus mit Kühlturm zur Kletterhalle, der Zollschuppen zum Kanuverleih und das zentrale Werkstatgebäude zum Atelierhaus mit Café. Das hier geplante Nutzungskonzept für das ehemalige Dornkaat-Gelände zeichnet sich durch markante Identifikationspunkte aus und ermöglicht gleichzeitig eine hohe Flexibilität für die Zukunft.
NACHHALTIGKEIT ALS SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
Der Entwurf denkt ganzheitlich: Neubauten sind kompakt, optimal besonnt, an das Nahwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen. Dach- und Fassadenbegrünung verbessern das Mikroklima, Photovoltaikanlagen erzeugen Energie, Regenwasserrückhaltung mindert Spitzenabflüsse. Die Freiräume sind durchlässig, baumreich, artenfördernd – ein Beitrag zum innerstädtischen Biotopverbund.
Ein Vegetationskonzept mit klimarobusten, stadtklimafördernden Arten stärkt den innerstädtischen Biotopverbund. Alle öffentlichen Räume sind konsequent barrierefrei gestaltet und auf generationenübergreifende Nutzung ausgelegt.
Das Doornkaat-Gelände wird zum Bindeglied zwischen Stadt und Landschaft, zum Ort der Begegnung. Ein Stück Norden – neu gedacht aber geschichtlich bewahrt.
Auf Streifzug sein bedeutet, eine Umgebung zu erkunden und sich treiben zu lassen. Der Entwurf ermöglicht solch einen Streifzug – durch das ehemalige Doornkaat-Gelände. Dabei nutzt er die für die historische Innenstadt Nordens charakteristische Lohnenstruktur als raumgliedernde Stadtbausteine. So entstehen vier Streifen – jeder mit eigenem Raumcharakter, doch zusammen als starke Freiraumverbindung zwischen Neuem Weg und Norder Tief. Je nach Charakter des Streifens kommen unterschiedliche städtebauliche Typologien und Nutzungsbausteine zum Einsatz, welche die neu entstehenden Freiräume in Ihren Nutzungen aktivieren und stärken:
1. Grüner Auftakt
Dieser westliche Streifen bildet den Eingang zum Quartier vom Neuen Weg. Eine leichte Rückstaffelung der Bebauung schafft einen offenen Auftaktbereich und markiert den Übergang zwischen Innenstadt und Doornkaat-Quartier: Durch den als vertikalen Garten gestalteten, neuen Baukörper (er beherbergt eine Ausstellung zur Doornkaat-Geschichte und übernimmt die vertikale Erschließungsfunktion) und dem „Brennereigarten“ wird entlang der Doornkaatstraße eine einladende, grüne Auftaktgeste zur Fußgängerzone ausformuliert. Ergänzend entsteht entlang des Neuen Weges am Stammhaus ein Gebäude mit Mischnutzung aus Arbeiten im Erdgeschoss und Wohnen in den Obergeschossen.
2. Lagerlohne
Hier entsteht zwischen einem linearen Gartenband und der Außengastronomie am ehemaligen Lagergebäude eine attraktive Gasse, die Durchgang und Aufenthalt kombiniert. Als Gasthaus mit Gastronomie, Biergarten und möglichen (Ferien-)Wohnungen belebt der Ersatzbaukörper diesen Bereich und stärkt das freigestellte Brennerei-Ensemble als identitätsstiftenden Ort.
3. Doornkaatplatz
Der Doornkaatplatz bildet die neue Mitte des Quartiers. Mit einer großen, multifunktional nutzbaren Rasenfläche und einem befestigten Platz entsteht hier ein neuer Ort sowohl für vielfältige Alltagsnutzungen als auch für große Events in Norden. Unterschiedliche Gebäude rahmen und aktivieren den Platz mit vielfältigen Nutzungen: Eine Kreativhalle mit vorgelagerter Terrasse sowie ein Makerspace mit offenem Erdgeschoss schaffen Räume für Produktion, Innovation, Begegnung und gemeinschaftliche Aktivitäten.
Ergänzend entsteht in zweiter Reihe ein gut angebundener Mobility Hub, während entlang der Kleinen Hinterlohne neue Wohngebäude mit gemeinschaftlichen Freiräumen den Übergang zur durch Wohnbebauung geprägten Nachbarschaft bilden.
4. Waterkant
Sie ist das Highlight des Streifzuges durch Doornkaat. Wer es bis hierhin geschafft hat, kann wild, aber auch entspannt sein, hoch hinausklettern oder auf das Wasser sehen.
Der Baukörper des zukünftigen Polizeikommissariats wird als differenziertes Gebäude mit gestaffelten Höhen entwickelt. So fügt sich der große Gebäudekomplex sensibel in die Maßstäblichkeit des Quartiers ein und bildet zugleich eine klare Raumkante zum aktiven Freiraum.
Der Streifzug durch Doornkaart umfasst unterschiedliche Ziele, Angebote und Nutzungen, welche die Stadtbewohner*innen, aber auch Tourist*innen zu einem Aufenthalt auf Doornkaat einladen. Die Transformation der Bestandsgebäude sowie die vorgeschlagenen Neubauten folgen der Leitidee dieses „Streifzuges“.
STÄDTEBAU: BEBAUUNG, TYPOLOGIEN UND NUTZUNGEN
Zentrales Anliegen des Entwurfs ist die Revitalisierung des historischen Doornkaat-Erbes. Die denkmalgeschützten Gebäude des Brennerei-Ensembles werden freigestellt, behutsam transformiert und in den Mittelpunkt des neuen Quartiers gerückt. Ergänzende Neubauten orientieren sich sensibel an Maßstab, Dachformen und Materialität der Umgebung und entwickeln diese zeitgemäß weiter. So entsteht ein neues, gemischt genutztes Quartier mit vielfältigen Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Freizeitangeboten, das sich selbstverständlich in das umliegende Stadtgebiet einfügt.
Dem Entwurf liegt das Prinzip räumlicher Permanenz bei programmatischer Flexibilität zugrunde. Dauerhafte städtebauliche Strukturen – Platzräume, Gassen, Baukörper und Raumkanten – bilden ein robustes räumliches Gerüst für das Quartier. Innerhalb dieser Struktur bleiben Nutzungen wandelbar. Erdgeschosse können je nach Bedarf Gastronomie, Gewerbe oder gemeinschaftliche Funktionen aufnehmen, während Obergeschosse flexibel zwischen verschiedenen Wohn- und Arbeitsformen wechseln können. Diese Offenheit ermöglicht eine langfristige Anpassungsfähigkeit des Quartiers.
FREIRAUM: QUALITÄTEN UND MATERIALIEN
Das zukünftige Doornkaat-Quartier zeichnet sich durch eine Vielzahl öffentlicher Freiräume unterschiedlicher Größen und Raumqualitäten aus: Im Norden (zwischen den neuen Wohngebäuden und dem begrünten Parkhaus) sowie Westen (Brennereigarten und Lagerlohne) befinden sich kleinräumige, gartenartige Orte. Im Zentrum ermöglicht der Doornkaatplatz raumgreifende, urbane und produktive Nutzungen. Im Osten bietet die Waterkant zahlreiche Sport- und Aktionsmöglichkeiten.
Der Doornkaatplatz besteht aus einem befestigten Platz entlang der Kreativhalle sowie einer tiefergelegten Rasenfläche (welche auch als Retentionsraum dient). An seinem östlichen Rand kann eine temporäre Bühne aufgestellt werden, sodass auch größere Events ausgerichtet werden können. Im Norden des Platzes sorgt kleines Wasserbecken mit Wasser- und Nebelspiel in heißen Sommern für Kühlung und Erfrischung. Am südlichen Rand werden kontrastierend kleinteilige Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten im Schatten von Bäumen angeboten.
Die Waterkant beherbergt unterschiedliche Aktionsräume: Der Strandstreifen enthält ein Volleyballfeld, den Kletterturm sowie Spieldünen. Nördlich dieser großzügigen Sandfläche werden zahlreiche Tischtennisplatten angeboten. Südlich schließen eine großzügige Skateanlage sowie ein Calisthenicsplatz inklusive Streetballkorb an.
Wasserzugänge bieten einerseits eine Sitztreppenanlage östlich der neuen Brücke sowie ein großes Ponton im Norder Tief nahe der neuen „Doornkaate“ – dem neuen Biergarten samt Bootsverleih. Eine vom Brückenplatz abgehende Rampe ermöglicht den Zugang zu Ufer und Ponton für die Gewässerpflege.
BIODIVERSITÄT, KLIMARESILIENZ UND NACHHALTIGKEIT
Das Doornkaart-Quartier beinhaltet strukturreiche Grünräume und bietet daher viel Raum für Biodiversität: Der Uferbereich nördlich der „Doornkaate“ soll seinen aktuell wilden Charakter beibehalten und stellt somit einen Rückzugsraum für Tiere dar. Die gartenartigen Freiräume werden mit robusten, arten- und strukturreichen Stauden- sowie Gräserpflanzungen ausgestattet, welche durch Geophyten ergänzt werden. Die bestehende Grünraumverbindung in Ost-West wird aufgegriffen und gestärkt, durch Neupflanzungen entlang von Glückauf entsteht eine neue Nord-Süd-Grünverbindung. Die Gehölzverwendung verfolgt das Prinzip der Klimafitness. Die Gebäude unterstützen diesen neuen innerstädtischen Biotopverbund durch Fassaden- und Dachbegrünung.
Die Weiter- und Umnutzung bestehender Gebäude ist integraler Bestandteil des baulichen Konzepts und trägt zum Klimaschutz bei. Sie erhält graue Energie und reduziert Abriss. Kompakte Baukörper mit hoher Flächeneffizienz sowie begrünte Dächer und Fassaden unterstützen ein klimaangepasstes Quartier. Dachflächen können sowohl für Solartechnik als auch für gemeinschaftliche Nutzungen oder Gärten aktiviert werden. Neubauten entstehen fast ausschließlich auf versiegelten Flächen abgerissener Gebäude.
REGENWASSERMANAGEMENT
Drei große, oberirdische Regenrückhaltespeicher bilden das Grundgerüst: Die tiefergelegte, eingefasste Rasenfläche des Doornkaatplatzes (1.000m³), die tiefergelegte Skateanlage in der Waterkant (700m³) sowie ein lineares Regenrückhaltebecken entlang der Achse zur neuen Brücke über das Norder Tief (400m³). Eine Erweiterung ist durch unterirdische Rigolen im Bereich des Beachvolleyballfeldes um bis zu 800m³ möglich. Zusätzlich werden kleinere Muldensysteme im Brennereigarten, der Lagerlohne sowie im Bereich der neuen Wohnbebauung an der Kleinen Hinterlohne angelegt. Zudem erhalten einige der zukünftigen Gebäude Retentionsdächer. An den Gebäuden angeordnete Zisternen können zudem zur Bewässerung der Vegetation und jungen Bäume dienen.
VERKEHRSKONZEPT
Die Hauptanbindung des Quartiers erfolgt über den neuen Kreisverkehr westlich zum Parkhaus und südlich zum Polizeikommissariat. Eine Durchfahrt vom Kreisverkehr zur Kleinen Hinterlohne ist nur für den Lieferverkehr und ggf. ÖPNV möglich, hierfür wird eine Pollerlösung direkt westlich der Zufahrt zum Parkhaus vorgeschlagen. Die Anlieferung von Holzhackschnitzeln zum Heizkraftwerk ist sichergestellt und für Sattelschlepper ausgelegt.
Die Querverbindungen in der Lagerlohne, am Doornkaatplatz und der Waterkant dienen vorrangig dem Fußverkehr, der Radverkehr wird hier nicht ausgeschlossen. Vom neuen Kreisverkehr gibt es zusätzlich zur Fußwegeverbindung einen großzügig geführten Radweg zur neuen Brücke am Norder Tief. Für den ruhenden Verkehr werden in einem begrünten Parkhaus 350 Stellplätze bereitgestellt. 200 Fahrradabstellmöglichkeiten befinden sich bedarfsgerecht im gesamten Quartier verteilt. Zudem werden jeweils fünf Carsharing-Stellplätze und E-Auto-Ladestationen bereitgestellt.
BARRIEREARMUT UND MATERIALVERWENDUNG
Das Doornkaat-Quartier wird barrierefrei erschlossen: Bei Höhenunterschieden (wie an der tiefergelegten Rasenfläche des Doornkaatplatzes oder dem Steg am Norder Tief), werden Rampen mit einer maximalen Steigung von 6% angeboten. Rote und dunkle Klinkeroberflächen (in Teilen werden die alten Torfklinker verwendet) wechseln sich in den vier Streifen ab und werden durch ein durchgängiges Belagsband ergänzt – dieses fungiert nicht nur als offene Rinne, sondern auch als intuitive Orientierungshilfe. Durch unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheiten (Fahrbereich rau, Gehbereich glatt) wird zudem die taktile Erkennbarkeit gestärkt.
Die Freiräume aller vier Streifen werden durch Sitzmobiliar in einheitlicher Gestaltsprache ausgestattet – zum großen Teil mit Arm- und Rückenlehnen versehen. Zudem stehen ausreichend Aufenthaltsorte im Schatten zur Verfügung.
ENTWICKLUNGSPHASEN
Um das Doornkaat-Gelände zu einem lebendigen Quartier zu transformieren, wird eine Phasierung der Entwicklung vorgeschlagen. Zunächst sollten die Erschließung des Geländes sowie die notwendige Verkehrsinfrastruktur sichergestellt werden. Daran anschließend sollten alsbald möglich der Dornkaatplatz sowie die Waterkant realisiert werden. Sie bringen neue Aufenthaltsräume und Nutzungen in die Stadtstruktur Nordens und ermöglichen bereits vor der Immobilienentwicklung die Eroberung und Aneignung des ehemaligen Doornkaat-Areals durch Stadtbewohnende und Tourist*innen.
Der Streifzug durch das Doornkaat-Quartier wird in Zukunft eine neue Freiraumverbindung und attraktive Lebensräume zwischen dem Neuen Weg und dem Norder Tief bieten – entlang eines identitätsstiftenden Areals der Stadt Norden.
Das Doornkaat-Areal wird als gemischt genutztes, klimaresilientes Quartier entwickelt, das aus dem Bestand heraus wächst und gleichzeitig eine eigenständige stadträumliche Identität formuliert. Ausgangspunkt ist die Verbindung von historischer Prägung mit einer zukunftsfähigen, ressourcenschonenden Stadtstruktur.
Die räumliche Organisation folgt einer klaren Abfolge: vom Stadteingang an der Fußgängerzone über den kleinteiligen „Hopfengarten“ bis hin zum großzügigen Park am Wasser. Diese Sequenz schafft Orientierung, stärkt die Durchlässigkeit und verknüpft Bestand und Neubau zu einem zusammenhängenden Stadtbaustein.
Städtebauliche Einbindung und Raumkanten
Das Quartier wird über zwei gleichwertige Zugänge aus der Fußgängerzone erschlossen.
An der südwestlichen Ecke wird eine bestehende Brandwand durch einen Neubau ergänzt und zu einer prägnanten Adresse entwickelt. Arkaden im Erdgeschoss schaffen einen witterungsgeschützten Übergang und leiten über einen kleinen Vorplatz in das Quartier hinein. Ein zweiter Zugang entsteht über eine direkte Wegeführung aus der Fußgängerzone, die bewusst in das Quartier abknickt. Von hier aus öffnet sich eine Blickachse auf einen markanten Kopfbau am Platz sowie weiter in den Parkraum. Der Park wird dadurch bereits aus dem Stadtraum heraus sichtbar und als öffentlicher Freiraum erlebbar. Der anschließende „Hopfengarten“ übernimmt die Körnung des Bestands und übersetzt diese in eine Abfolge aus Gassen und Platzräumen. Die Markthalle bildet hier einen zentralen Baustein und stärkt die räumliche Fassung. Eine historische Gebäudekante zum Park wird durch einen zurückhaltenden Neubau ergänzt. Dieser orientiert sich in Maßstab und Höhe am Bestand, differenziert sich jedoch bewusst in Materialität und Ausdruck. So entsteht eine klare Raumkante, die den Übergang zum Park definiert. Das östliche Baufeld formuliert ein eigenständiges Wohnquartier mit hofartiger Struktur. Die Gebäude bilden klare Kanten und öffnen sich gleichzeitig zum Park. Ein Teilbereich wird angehoben, um die erforderlichen Stellplätze integriert und flächensparend unterzubringen.
Gebäude, Typologien und Umgang mit dem Bestand
Die bauliche Entwicklung folgt einer klaren Differenzierung zwischen Bestand und Neubau sowie einer Vielfalt an Wohn- und Nutzungstypologien. Im neuen Quartier entstehen unterschiedliche Wohnformen – von kompakten Einheiten über familiengerechte Wohnungen bis hin zu maisonetteartigen Strukturen, die an Reihenhäuser erinnern und einen Übergang zur lokalen Bautypologie herstellen. Ergänzend werden barrierefreie und altersgerechte Wohnangebote geschaffen. Die Erdgeschosszonen werden gezielt aktiviert und durch gewerbliche Nutzungen ergänzt. In ausgewählten Bereichen werden die Erdgeschosse erhöht ausgebildet, um eine stärkere Präsenz im Stadtraum sowie großzügige, flexibel nutzbare Raumhöhen zu ermöglichen. Der Bestand wird konsequent erhalten, weiterentwickelt und in neue Nutzungen überführt. Prägende Backsteinbauten bleiben als identitätsstiftende Elemente erhalten und werden durch eine klare architektonische Differenzierung der Neubauten gestärkt. Alle Neubauten werden in ressourcenschonender Holzbauweise realisiert und durch recyclingfähige Materialien ergänzt. Holzfassaden, begrünte Fassadenanteile sowie begrünte oder nutzbare Dachflächen tragen zur ökologischen Qualität bei. Transparente Dachaufbauten mit integrierter Energiegewinnung erweitern die Nutzungsmöglichkeiten und schaffen besondere Aufenthaltsorte mit Blickbeziehungen in den Park und den Bestand.
Freiraumkonzept und Parkstruktur
Der Freiraum bildet das verbindende Element des Quartiers und entwickelt sich als zusammenhängende Landschaft bis zum Wasser. Ein zentraler Rundweg erschließt den Park vollständig und ermöglicht eine intuitive Orientierung. Ergänzende Verbindungen und Shortcuts schaffen abwechslungsreiche Wegeführungen und unterschiedliche Perspektiven. Der Weg ist barrierefrei, vier Meter breit und in eine schnelle sowie eine langsamere Spur gegliedert. In den Rundweg wird vorhandener Klinker aus dem Bestand integriert. Dieser wird als Läuferreihe wiederverwendet, bearbeitet und so eingebunden, dass eine ebene, barrierefreie Oberfläche entsteht. Dadurch wird die Geschichte des Ortes auch im Freiraum ablesbar.
Der Park gliedert sich in eine Abfolge unterschiedlicher Räume:
Ein multifunktionaler Auftaktplatz bildet den Übergang zwischen Stadt und Park. Er ist befestigt, unterlagert von einer Zisterne und kann für Märkte, Veranstaltungen und Aufenthalt genutzt werden. Von hier aus weitet sich der Raum in eine flexible Wiesenfläche, die in eine großzügige Liegewiese mit modellierten Hügeln übergeht.
Nördlich schließen produktive Freiräume mit Urban Gardening und Streuobstwiesen an. Südlich wird mit einem lichten Kiefernwald ein landschaftliches Motiv aufgenommen, das in eine abstrahierte Dünenlandschaft überführt wird.
Die Abfolge von Braun-, Grau- und Weißdüne interpretiert die Küstenlandschaft und leitet zum Wasser über. Die Vegetation orientiert sich an diesen Bildern, ohne standortfremde Arten zu verwenden. Teilbereiche sind begehbar und bieten Rückzugsorte, andere bleiben bewusst ruhiger.
Zum Wasser hin wird der Park durch Freizeitangebote ergänzt. Bestehende Gebäude werden integriert und für öffentliche Nutzungen aktiviert. Ein Kanuverleih mit Steg und Wasserzugang stärkt die Beziehung zum Fluss.
Den Abschluss bildet eine landschaftlich geprägte Uferzone mit Retentionsräumen. Eine begehbare Mole greift das maritime Motiv auf und ermöglicht zugleich eine extensive Nutzung. Multifunktionale Flächen – etwa ein überflutbarer Skatebereich – sind integraler Bestandteil des Regenwassermanagements.
Mobilität und Erschließung
Das Quartier wird primär fußläufig und fahrradorientiert erschlossen und ist eng mit der bestehenden Fußgängerzone vernetzt. Der ruhende Verkehr wird gebündelt in einem integrierten Parkdeck sowie ergänzenden Parkstrukturen organisiert. Dadurch bleiben oberirdische Flächen weitgehend frei von Verkehr. Eine direkte Anbindung aus dem Park ermöglicht es auch Radfahrenden, das Parkdeck komfortabel zu erreichen. Dort stehen zahlreiche überdachte Fahrradstellplätze zur Verfügung, wodurch der Radverkehr gezielt gefördert wird. Notwendige Erschließungsfunktionen werden funktional integriert und gestalterisch zurückgenommen.
Nutzungsmischung und Quartiersleben
Das Nutzungskonzept basiert auf einer engen Verzahnung von Wohnen, Arbeiten, Handwerk und Öffentlichkeit. Im Bestand bildet die Markthalle das zentrale Element. Sie ist als offener, multifunktionaler Ort konzipiert, der klassischen Markt, regionale Produkte, Gastronomie und Kunsthandwerk miteinander verbindet. Gleichzeitig kann sich die Nutzung flexibel in den Außenraum erweitern und den Hopfengarten bespielen. Ergänzend werden bestehende Gebäude für kreative und handwerkliche Nutzungen aktiviert, etwa in Form von Werkstätten, Ateliers oder kleinmaßstäblichen Produktionsräumen. Diese „leisen“ Nutzungen greifen die Geschichte des Ortes auf und stärken die lokale Identität. Eine Beherbergungsnutzung ergänzt das Angebot. Das neue Baufeld wird überwiegend durch Wohnen geprägt. Unterschiedliche Typologien ermöglichen eine breite soziale Mischung und beleben das Quartier dauerhaft. Ergänzend werden Erdgeschosszonen mit Gastronomie und Büroflächen aktiviert. Ein Mehrgenerationenhaus bildet einen sozialen Ankerpunkt und fördert den Austausch zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen.
Ökologie, Klima und Regenwassermanagement
Das Quartier wird als klimaangepasste Struktur entwickelt, in der Freiraum und Bebauung eng miteinander verzahnt sind.
Der Versiegelungsgrad wird minimiert und differenziert ausgebildet. Befestigte Flächen bestehen überwiegend aus speicherfähigen Belägen, die Niederschläge aufnehmen, verzögert abgeben und zur Verdunstung beitragen. Dadurch wird die Aufheizung reduziert und das Mikroklima verbessert.
Dach- und Fassadenbegrünungen wirken zusätzlich kühlend und werden über gespeichertes Regenwasser versorgt. Zisternen, offene Retentionsräume und multifunktionale Flächen sorgen dafür, dass Wasser im Gebiet gehalten und genutzt wird.
Die Kombination aus Verdunstung, Speicherung und Rückhalt bildet die Grundlage für ein robustes und nachhaltiges Regenwassermanagement.
Leitidee und stadträumliches Konzept
Das Doornkaat-Areal bietet die einzigartige Chance, einen ehemals industriell geprägten Stadtbaustein in ein lebendiges, identitätsstarkes und durchmischtes Quartier mit hoher freiräumlicher Qualität zu transformieren. Der Entwurf verfolgt das Ziel, eine neue Zentralität und Anlaufstelle zu entwickeln, die als selbstverständlich ablesbares Bindeglied zwischen Innenstadt, Norder Tief und den angrenzenden Nutzungen wirkt und das Areal dauerhaft in den Stadtraum von Norden integriert.
Der Freiraum wird dabei als tragende Struktur der Quartiersentwicklung verstanden. Er bildet das räumliche Grundgerüst, das die unterschiedlichen Nutzungen zusammenführt und in ein zusammenhängendes, klar lesbares Freiraumsystem überführt. Durch eine prägnante Formensprache, eine klare räumliche Ordnung sowie die bewusste Abfolge urbaner und landschaftlicher Situationen entsteht ein vielschichtiges, aber gleichzeitig ruhiges und kohärentes Gesamtbild.
Ein zentrales Gestaltungsmotiv bilden abgerundete und frei fließende Geometrien, die sich als wiederkehrendes Prinzip durch das gesamte Quartier ziehen. Sie erzeugen Identität und Wiedererkennbarkeit, Eigenständigkeit und Markanz und ermöglichen gleichzeitig weiche Übergänge zwischen Platz, Bewegung, Grünraum und Wasser. So entsteht ein eng verwobenes Freiraumgefüge, das unterschiedliche Atmosphären miteinander verbindet, ohne sie gegeneinander abzugrenzen.
Stadtplatz als multifunktionale Mitte
Im Zentrum des Entwurfs steht der neue Stadtplatz als prägnante und identitätsstiftende Mitte des Doornkaat-Quartiers. Er wird als großzügige, klar gefasste und dennoch offen bespielbare Freifläche ausgebildet, die dem Ort einen deutlichen städtebaulichen Schwerpunkt verleiht und gleichzeitig maximale Nutzungsflexibilität bietet.
Der Platz übernimmt sowohl im Alltag als auch bei besonderen Anlässen eine zentrale Rolle. Im täglichen Gebrauch dient er als Aufenthalts- und Begegnungsraum für unterschiedliche Nutzergruppen. Außengastronomische Angebote tragen zur Belebung bei und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität. Für Veranstaltungen – wie beispielsweise Open-Air-Formate im Kontext des Doornkaat-Areals – steht eine großzügige, zusammenhängende Fläche zur Verfügung.
Ein zentrales Element bildet die topografisch ausformulierte Grüninsel, die den Platz strukturiert. Sie wirkt klimatisch ausgleichend durch Verschattung und Verdunstung, verbessert die Biodiversität und übernimmt gleichzeitig Funktionen der Regenwasserrückhaltung. Ihre modellierte Topografie schafft zudem eine räumliche Pufferzone zu angrenzenden Nutzungen wie dem Wendehammer und dem Polizeigelände und bietet darüber hinaus ein informell nutzbares Spielelement mit hoher Aufenthaltsqualität.
Das spielerische Fontänenfeld ergänzt den Platz als prägendes atmosphärisches Element. Durch Verdunstungskühlung trägt es wesentlich zur Verbesserung des Mikroklimas bei und steigert insbesondere in den Sommermonaten die Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig bleibt es flexibel nutzbar und kann bei Veranstaltungen temporär deaktiviert und überbaut werden.
Locker verteilte Klimabäume strukturieren den Platz, spenden Schatten und tragen zur atmosphärischen Qualität bei. In Kombination mit vielfältigen Sitzangeboten entstehen differenzierte Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten – von belebten Zonen bis hin zu ruhigeren Rückzugsorten.
Am südlichen Rand entsteht ein bewusst gefasster, ruhiger Aufenthaltsbereich, der sich vom zentralen Geschehen leicht absetzt. Eine grüne Fassung zum angrenzenden privaten Grundstück schafft einen geschützten Raum mit direktem Blickbezug zum Platzgeschehen. Integrierte Fahrradstellplätze ergänzen die Funktionalität.
Städtebauliche Entwicklung
Im Mittelpunkt der städtebaulichen Ergänzungen steht die Entwicklung eines urbanen Quartiers mit gemischten Nutzungen aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gastronomie. Diese Nutzungsmischung sowie aktivierte Erdgeschosszonen entlang zentraler Wege und Plätze sorgen für eine durchgängige Belebung und soziale Interaktion. Ein prägendes Element ist dabei der sensible Umgang mit den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden der ehemaligen Kornbrennerei. Diese bleiben in ihrer Struktur erhalten, werden saniert und durch neue Nutzungen wie Hotel, Kultur und Veranstaltungen aktiviert. Ergänzende Neubauten orientieren sich in Maßstab, Materialität und Dachform an der lokalen Bauweise.
Zentraler Baustein ist die Fassung des neuen Stadtplatzes, der von Bestandsgebäuden und Neubauten gerahmt wird und als identitätsstiftender Aufenthaltsort dient. Angrenzend entstehen vielfältige Wohnformen sowie publikumsorientierte Nutzungen in den Erdgeschossen. Eine Markthalle ergänzt das Ensemble als multifunktionaler Anziehungspunkt und interpretiert die regionale Bautradition zeitgemäß.
Im Norden bildet eine Parkgarage den Übergang zum Gewerbegebiet und übernimmt zugleich eine abschirmende Funktion. Ihre Gestaltung wird durch Begrünung und architektonische Elemente in das Gesamtbild integriert. Die Verwaltungsgebäude am neuen Weg erhalten eine Aufwertung und die markante Ecke zur Doornkaat-Straße wird durch einen Ergänzungsbau gefasst. Insgesamt wird die Umgebung der Brennerei freigestellt und durchlässiger, sodass das Doornkaat-Ensemble als Einheit wahrgenommen werden kann.
Wegebeziehungen und Erschließung
Der Stadtplatz bildet den zentralen Knotenpunkt des Wegenetzes und strukturiert die Bewegungsflüsse im Quartier. Fußläufige Verbindungen werden klar, direkt und barrierearm geführt und ermöglichen eine intuitive Orientierung innerhalb des gesamten Areals. Sichtachsen, beispielsweise zum Brennereiensemble und zum Sportbereich am Norder Tief, werden gezielt inszeniert und von Bebauung freigehalten, um die räumliche Orientierung zu unterstützen und die Wahrnehmung des Ortes zu stärken.
Die Verbindung zwischen Innenstadt (Neuer Weg), den Lohen und dem Norder Tief wird als durchgängige Raumsequenz verstanden, die selbstverständlich über den Stadtplatz hinweg bis zum Wasser führt. Dabei bilden die linearen Gassen eine klare städtebauliche Achse, die auch den Lieferverkehr aufnimmt, ohne die Aufenthaltsqualität zu beeinträchtigen. Gestalterisch wird diese Linearität durch Baumreihen und präzise Raumkanten gefasst. Im Übergang zum übrigen Quartier löst sich diese Strenge bewusst auf und geht in eine weichere, landschaftliche Struktur über, die den Charakter des Freiraums betont. Die öffentlichen Parkierungsflächen aus dem Bestand werden konsequent in den Mobilitätshub integriert um die Suchverkehre zu minimieren.
Der Radverkehr wird gezielt gestärkt, insbesondere durch die neue Fuß- und Radwegverbindung aus nördlicher Richtung über die Brücke am Norder Tief. Ergänzende Fahrradabstellanlagen sind entlang der Hauptachsen in ausreichender Stückzahl integriert.
Die bestehende Anlieferung des Heizwerks bleibt funktional erhalten und wird so in die Gestaltung eingebunden, dass sie im Stadtraum kaum in Erscheinung tritt.
Zugang zum Wasser
Die Ufergestaltung erfolgt bewusst zurückhaltend und erhält gezielt einzelne Elemente der bestehenden Vegetation. Gezielt werden Uferabschnitte zugänglich gemacht, während große Teile des Ufers offen, aber vegetativ gestaltet sind. So wird die Landschaftlichkeit des Ufers geschützt und gleichzeitig erlebbar gemacht.
Die zurückhaltende Sitzstufenanlage ermöglicht den direkten Aufenthalt am Wasser und eröffnet vielfältige Blickbeziehungen in die Wasser-Landschaft. Der Ort lädt gleichermaßen zum ruhigen Verweilen wie zur aktiven Aneignung durch Wassersport ein. Ein vorgelagertes Holzponton erweitert den Erlebnisraum bis ins Wasser und schafft in Verbindung mit dem angrenzenden Café zusätzliche Nutzungen im Bereich Freizeit und Wassersport. Holzauflagen auf den Stufen und die Südausrichtung, sowie die gut einsehbare, öffentliche Lage direkt an der Brücke machen den Ort zu einem Treffpunkt am Wasser.
Eine integrierte Rampe stellt die Zugänglichkeit für Pflege- und Unterhaltungsfahrzeuge sicher und gewährleistet die langfristige Funktionsfähigkeit des Bereichs
Sport- und Aktivbereich
Der Sportbereich wird als zusammenhängender, offener Bewegungsraum entwickelt, der unterschiedliche Altersgruppen anspricht und vielfältige Nutzungen ermöglicht. Ziel ist ein niedrigschwelliges, flexibel nutzbares und adaptives Angebot für informelle Sport- und Freizeitaktivitäten.
Skateanlage, Streetballfeld und Calisthenics-Angebot bilden Nutzungsanker, die das Areal um den Kletterturm zu einem lebendigen sozialen Treffpunkt entwickeln. Die einzelnen Elemente sind so angeordnet, dass sie in räumlicher Beziehung zueinander stehen und ein dynamisches, kommunikationsförderndes Umfeld erzeugen. Ein besonderes identitätsstiftendes Element ist die Umnutzung des bestehenden Kühlturms zu einem Kletterturm. Dieses industrielle Relikt wird bewusst in die Gestaltung integriert und verleiht dem Ort eine unverwechselbare Prägung.
Im Übergang zum Norder Tief entsteht ein Café im Bestandsbau mit Außengastronomie, die eine lebendige Schnittstelle zwischen Sport, Aktion und Wasser bildet. Das Sportareal wird als expressiver Ort entwickelt, der sich selbstbewusst als Bindeglied in der Erschließung des Norden Tiefs versteht.
Klimawald
Als grüner Rücken zur Straße „Im Horst“ und zum angrenzenden Polizeigelände wird ein Klimawald entwickelt, der ökologische, klimatische und freiräumliche Funktionen miteinander verbindet. Bestandteile der vorhandenen Vegetation werden erhalten, durch Neupflanzungen ergänzt und in das Konzept integriert. Geschwungene Wegeführungen schaffen einen Kontrast zur klaren Struktur des Stadtplatzes und führen durch einen landschaftlichen, atmosphärisch dichten Freiraum. Innerhalb des Waldes entstehen Spiel- und Aufenthaltsbereiche, deren Gestaltung das Motiv von Treibholz als skulpturale, bespielbare Landschaftselemente aufgreift. Kletterwald, Abenteuerspielplatz und Spielangebote für Kleinkinder machen das Areal auch zum Anlaufpunkt von Familien. Ergänzend werden Flächen für Urban Gardening vorgesehen, die eine aktive Aneignung durch die Nutzenden ermöglichen und soziale Interaktion fördern. Zwei gezielt gesetzte Aussichtspunkte eröffnen neue Blickbeziehungen zum Norder Tief und stärken die Wahrnehmung des Wassers im Quartier.
Regenwassermanagement
Das Regenwassermanagement ist integraler Bestandteil des Entwurfs und folgt dem Prinzip der wassersensiblen Stadtentwicklung. Ein unterirdisches Rigolen-System ermöglicht die Speicherung und verzögerte Ableitung von Niederschlagswasser aus Platz- und Dachflächen. Ergänzend wird am Norder Tief ein Regenrückhaltebecken als landschaftlicher Teichverbund entwickelt, der sowohl technische als auch ökologische Funktionen übernimmt und die Themen des Niederschlagsmanagements als ästhetisch wertvollen Raumbezug wahrnehmbar macht. Wasser wird dabei nicht ausschließlich technisch verstanden, sondern als gestaltprägendes Element in den Freiraum integriert und erlebbar gemacht.
Materialität, Ausstattung und Beleuchtung
Die Materialwahl orientiert sich an den Anforderungen an Robustheit, Langlebigkeit und gestalterischer Klarheit. Eine reduzierte, funktionale Ausstattung wird mit hochwertigen Materialien kombiniert. Im Vordergrund steht dabei Langlebigkeit, gute Reparierbarkeit und Wertigkeit.
Ein prägendes Gestaltungselement ist die Verwendung von rötlichen Farbtönen, die sich an der regionaltypischen Klinkerarchitektur orientieren und eine identitätsstiftende Verbindung zur lokalen Baukultur herstellen. Ergänzend wird eine durchgängige Material- und Gestaltungssprache entwickelt, die sich über den gesamten Quartiersraum erstreckt und auch angrenzende Verkehrsflächen umfasst. So werden insbesondere der Wendehammer bis zum Kreisverkehr sowie die Zufahrt zum HUB gestalterisch in das Gesamtkonzept integriert. Durch die Verwendung einheitlicher Beläge und Materialien entsteht ein zusammenhängendes Quartiersbild ohne harte Brüche zwischen Freiraum und Erschließungsflächen. Besonders akzentuiert werden Sportareal und der kreisrunde Platzbereich. In Terrazzoasphalt werden Bruchstücke des Bestandsklinkers eingearbeitet und zu einer hochwertigen Oberfläche aufgearbeitet.
Die Ausstattung ist bewusst zurückhaltend und funktional gehalten. Gleichzeitig wird durch gezielte Akzentuierung, beispielsweise durch Leuchtstelen, eine atmosphärische Beleuchtung geschaffen. Die Lichtplanung folgt dem Prinzip der Reduktion: Beleuchtet werden primär Hauptwege und intensiv genutzte Bereiche, um eine sichere Nutzung in den Abendstunden zu gewährleisten und gleichzeitig Lichtverschmutzung zu minimieren.
Der Weg zum Wasser
Der Entwurf entwickelt das Doornkaat-Gelände zu einem vielschichtigen, identitätsstarken und zukunftsfähigen Quartier, das Stadt, Landschaft und Wasserraum eng miteinander verknüpft. Eine klare stadträumliche Struktur, differenzierte Freiraumtypen und ein hoher ökologischer Anspruch greifen ineinander und schaffen einen robusten, flexibel nutzbaren und atmosphärisch dichten Stadtraum.
Das neue Quartier verbindet industrielle Geschichte mit zeitgemäßer Freiraumqualität und macht das Norder Tief zu einem zentralen identitätsstiftenden Element des Ortes. So entsteht ein lebendiger Stadtraum, der langfristig zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt Norden beiträgt.
Konzept
Der Entwurf begreift die industrielle Brache des Doornkaat-Areals als Chance, Nordens Stadtstruktur an zentraler Stelle weiterzuschreiben und weiterzuknüpfen. Im Mittelpunkt steht die behutsame, aber entschiedene Transformation der industriellen Substanz, deren räumliche und materielle Identität mit neuen Nutzungen fortgeschrieben wird.
Herzstück des Entwurfs ist der zentrale Platz, „die Norder Freiheit“. Gemeinsam mit den anschließenden Freiräumen bildet er ein offenes, entwicklungsfähiges System. Zwischen gestalteten und bewusst brach belassenen Bereichen entstehen vielfältige Orte, die Aneignung ermöglichen und sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln.
Stadträumlich wird aus der orthogonalen Logik des Bestandes eine klare Abfolge von Lohne, Platz und Park entwickelt, die das Areal strukturiert, unterschiedliche Sequenzen mit eigenständigen Atmosphären ausbildet, und eine hohe Aufenthaltsqualität schafft. Typologisch vermittelt die Bebauung des Areals zwischen den großmaßstäblichen Gebäudestrukturen im Osten und der kleinteiligen Innenstadt im Westen. Durch differenzierte Baukörper und gezielte Ergänzungen entsteht eine abgestufte Körnung, die sich in den Kontext einfügt und gleichzeitig eine eigenständige Identität und Atmosphäre entwickelt.
Identität
Die Identität des Doornkaat-Areals mit den charakteristischen Backsteinfassaden, dem Schornstein, und den industriell dimensionierten Baukörpern wird bewusst am großen Platz in Szene gesetzt und durch weitere architektonische Interventionen als identitätsstiftende Silhouette verstärkt. Der ehemals abgeschlossene Produktionsstandort wird zu einem durchlässigen und vielfältigen Stadtbaustein transformiert, der neue Formen urbaner Produktion aufnimmt.
Die historischen Gebäude werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern mit neuen Nutzungen und ergänzenden Baukörpern räumlich und funktional verzahnt. So muss minimal in den Bestand eingegriffen werden, bei Gewährleistung maximaler Funktionalität des Gesamtensembles.
Das bisher abgeschirmte Norder Tief wird zudem an gezielten Stellen zugänglich und als zusammenhängender Freiraum entwickelt. Die Aufwertung der Uferzone schafft neue Aufenthaltsqualitäten und verankert das Areal im landschaftlichen Kontext.
Nutzungen
Das Areal verknüpft Wohnen, Arbeiten und Kultur mit einem robusten und entwicklungsfähigen Nutzungsmix. Dabei entstehen auf den verschiedenen Baufeldern unterschiedliche Schwerpunkte, die das Quartier zu einem vielfältigen Ort machen.
Das Forum – Kultur und Produktionsquartier:
Die denkmalgeschützten Bestandsgebäude werden als identitätsstiftende Orte aktiviert und für neue Formen urbaner Produktion geöffnet – als Räume für Wissen, Kultur, Kunst und gesellschaftliches Leben. Nutzungseinheiten in unterschiedlichen Größen von S (50m2) bis L (ca. 150 m2) ermöglichen die Etablierung unterschiedlicher Akteure. Mit innovativen und kreativen Ideen entwickelt sich das Areal schrittweise zu einem Impulsgeber mit Leuchtturmfunktion für die Stadt Norden und darüber hinaus. Die denkmalgeschützten Gebäude werden erhalten, weitergenutzt und in ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept integriert. Ergänzende Neubauten orientieren sich volumetrisch an die vorhandene postindustrielle Struktur, nehmen den Bestand als gestalterisches Vorbild, übersetzen die Fassade in die heutige Zeit und präzisieren die räumlichen Kanten zum Platz.